Zemlin: „Schülerticket wird kommen“

 SPD-Fraktion zu Gast bei den neuen Eigentümern der VWS

 Auf Einladung des neuen Geschäftsführers der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS), Prof. Hermann Zemlin, besuchte die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Siegen mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Detlef Rujanski an der Spitze den Firmensitz des Unternehmens im Industriegebiet Marienhütte.

Da die VWS vor kurzem an die Stadtwerke Bonn verkauft worden sind, stellte Prof. Zemlin am Anfang des Gesprächs die neue Eigentümerin der VWS vor. Dabei wurde er unterstützt von den beiden Prokuristen Werner Rosenthal und Albert Krumm sowie dem Betriebsratsvorsitzenden Hans-Dieter Diehl. Bei rund 78 Mio. Fahrgästen machten die Stadtwerke Bonn im letzten Jahr einen Umsatz von etwa 90 Mio. €. Davon entfielen auf die VWS ca. 3,5 Mio. Fahrgäste und ein Umsatz von ungefähr 27,2 Mio. €.

Zemlin ging insbesondere auch auf die Unterschiede zwischen öffentlichen Unternehmen und der privaten Wirtschaft ein. Wo auf der einen Seite das Shareholder-Value-Prinzip - also die kurzfristige Gewinnmaximierung - verfolgt wird, stehen auf der Seite der öffentlichen Unternehmen die Interessen der Bürgerinnen und Bürger im Vordergrund - wie die langfristige Arbeits- und Ausbildungsplatzsicherung sowie ein nachhaltiges Wirtschaften. „Die VWS und ihre Eigentümerin, die Stadtwerke Bonn, sind daher als öffentliche Unternehmen nicht auf kurzfristige Gewinne aus, sondern haben den Anspruch, durch hohe Qualitätsstandards, Kundenorientierung und innovative Marketingkonzepte einen bürgerfreundlichen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) anzubieten.“, so Zemlin. „Kommunale Unternehmen dürfen nicht um jeden Preis privatisiert werden. Eine gute Daseinsvorsorge für die Bürgerinnen und Bürger zu einem angemessenen Preis-Leistungsverhältnis und nicht Profit um jeden Preis muss das Ziel kommunalpolitischen Handelns sein.“, pflichtete Rujanski bei.

Zur Sprache kam auch das von den Sozialdemokraten im Rat der Stadt Siegen beantragte Schülerticket. Falls die Landeszuschüsse für Schülertickets in voller Höhe gezahlt würden, der Schulträger, sprich die Stadt Siegen, weiterhin den Betrag für die Schülerbeförderung einbringe und ein Beitrag der Schülerinnen und Schüler erhoben würde, könne ein Schülerticket auch in Siegen eingeführt werden. „Wir wollen ein Schülerticket in Siegen anbieten und wenn wir uns mit den anderen lokalen Anbietern des ÖPNV einig werden und die Voraussetzungen erfüllt sind, wird das Schülerticket kommen.“, ist Zemlin optimistisch. Insbesondere Angelika Flohren, stellvertretende Bürgermeisterin von Siegen, nahm diese Neuigkeit mit Freude zu Kenntnis: „Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten haben jahrelang auf die Einführung eines solchen Tickets gedrungen, jetzt sollten wir diese Chance auch nutzen.“

Veränderungen kündigte Albert Krumm in einem weiteren Bereich an. Da das Jobticket teilweise teurer als eine Monatskarte ist, lohnt es sich für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht, auf ein solches Ticket zurückzugreifen. „Die Struktur des Jobtickets soll verändert und der Preis im Einzelfall günstiger werden.“, so Krumm. Unternehmen können ein solches Ticket in Absprache mit den Partnerunternehmen in der Verkehrsgemeinschaft Westfalen-Süd anbieten. Vorteil für die Unternehmen: Sie müssen weniger Stellplätze für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorhalten. Das Jobticket wird dann unbürokratisch direkt durch den Arbeitgeber an seine Belegschaft ausgegeben.

„Die VWS entwickelt ein neues Nachtbuskonzept.“, ergänzte Krumm. Angedacht ist, auch die Ortsteile Eiserfeld und Niederschelden im Süden, Seelbach und Trupbach im Westen und Kaan-Marienborn im Osten mit dem Nachtbus anzufahren.

Ein Problem vieler Bürgerinnen und Bürger sprachen die Sozialdemokraten zum Schluss des Gesprächs an. Gerade zu den Stoßzeiten im Berufsverkehr müssen viele Busbenutzer am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) sprinten, wenn sie bereits in der Hindenburgstraße aus den ankommenden Bussen aussteigen müssen und ihren weiterführenden Bus am ZOB noch bekommen möchten. Das Aussteigen direkt am ZOB sei teilweise nicht machbar, da der Betriebsablauf nicht anders geregelt werden könne, erläuterte Zemlin. Allerdings könne hier mit der Einführung des Busdispositionssystems Abhilfe geschaffen werden. Wenn entsprechende Haushaltsmittel bereitgestellt würden, könne dies bereits 2007 realisiert werden.

Prof. Hermann Zemlin (6. von rechts), Geschäftsführer der VWS, führte die Mitglieder der SPD-Fraktion durch den Fuhrpark in der Marienhütte. Die Siegener Genossinnen und Genossen unter Führung des Fraktionsvorsitzenden Detlef Rujanski (7. von rechts), zeigten sich erfreut über die Ankündigung Zemlins, ein Schülerticket einführen zu wollen.

 

Siegen, den 12. Mai 2006

 

 

Eigener Pressebericht